Adobe, mein Lebensfluch
Als Kreativer ist man Adobe ja auf gedeih und verderb ausgeliefert. Sicherlich gibt es alternativen, aber um das ein oder andere Progrämmchen der Softwareschmiede im Zeichen des Lehmziegels kommt man nicht herum. Ich weiß, ich habe mich schon vorher über Adobe ausgelassen, aber auch heute hat es die Firma, die einst ein Leuchtturm der Benutzerfreundlichkeit war, wieder einmal geschafft, dass mir der Kragen platzte.
Adobe, dereinst spinnefeind mit Macromedia und allem was da Flash war, hatte ihren Online-Store ja ursprünglich mit WebObjects gebaut. Eine der ersten großen objektorientierten Frameworks für Webapplikationen, noch von NeXT ins Leben gerufen und unter Apple leider sehr stiefmütterlich behandelt und fast komplett in der Versenkung verschwunden. Das einzige, das heute wohl noch auf WebObjects läuft ist der iTunes Music Store und der Apple Online Store (was ja nicht schlecht ist, wenn man bedenkt, dass der iTMS mittlerweile der größte Musikvertreiber in den USA ist). Egal, damals wurde jedenfalls auch der Adobe Online Store damit betrieben und alles war gut (übrigens auch Bank 24 glaub ich und Lufthansas Website wohl auch, da könnte ich mich aber irren).
Als Lindwurm Adobe seinen Gegner Macromedia schwupps verschlang, musste man natürlich die Kunden überzeugen, dass Flash plötzlich die Eierlegende Wollmilchsau sei, und dass man das ganze Web sowieso gleich auf Flash umstellen sollte, weil… ja weil’s halt so flashig ist. Daraufhin wurde der Adobe Online Store komplett auf ColdFusion umgebastelt (ein Web Application Server, der sich im Frontend vorwiegend Flash Technologie bedient). So ähnlich, wie München den Transrapid wollten, um ihn besser verkaufen zu können, mit dem Unterschied, dass Adobe sich ihre eigene Technologie leisten können.
Eine ganzer Online-Store in Flash gebaut. Wow. Was für eine hirnverbrannte Idee. Dank dieses genialen Schachzugs kann sich jetzt die Welt überzeugen wie scheiße es ist, sich so etwas antun zu müssen. Keine Möglichkeit die Schriftgröße zu skalieren, Ausdrucken war unter Flash schon immer ein Sisyphusakt und ist bis heute noch märchenhaft: »und wenn er nicht gestorben ist, dann versucht er heute noch die Seite auszudrucken«. Sollte man es doch mal zufällig schaffen eine Seite auszudrucken, beachten sie bitte den Kunstvoll verschwommenen Text, dank Flash. Dagegen ist Lesen auf dem Bildschirm geradezu eine Wohltat für die Augen.
Gerade als ich heute eine Produktseite ausdrucken wollte, wurde jedes Mal ein Teil der Seite abgeschnitten. Schlußendlich griff ich darauf zurück einen Screenshot zu machen und den auszudrucken – Ja, Herrgottnochmal, muss das denn im Jahre des Herrn 2008 noch sein? Und ich nehme die Antwort auf die rhetorische Frage vorweg, falls es jemand nicht begriffen haben sollte: verdammtnochmal nein!
![]()
Ganz zu schweigen vom Schneckentempo und den Wartepausen, die man für jede einzelne Seite einlegen darf. Wusste gar nicht, dass kalte Fusion so gemächlich dahinplätschert… Ja, liebe Leute im Zeitalter von AJAX und immer interaktiveren Websites hat Adobe das Retro-Feeling des C-64 loading screens wieder eingeführt. Man fühlt sich erinnert an die Zeiten als man zum Laden eines Spiels noch mehrere Minuten brauchte um es von der Datasette zu lutschen! Jetzt müssten sie nur noch den original Turboloader-Sound und das Streifengeflimmere während des Ladevorgangs wieder haben, dann wäre die Illusion perfekt. Ist doch Flash, oder? Also das muss doch machbar sein, dann macht’s Online-Kaufen auch wieder Spaß!







Comments
from monologue to dialogue