Excel is the new Word

Was ist eigentlich los, mit den Leuten, die meinen einfach alles mit Excel machen zu müssen? Schlimm genug, daß es so viele Leute gibt, die glauben Excel könne man auch als Datenbank verwenden. Sicher, ich kann auch versuchen, mit einer Banane einen Nagel in die Wand zu hauen, aber das ist deswegen noch lange nicht sinnvoll.

Ich liebe diese Hirnakrobaten, die jegliche Organisation, jegliche Liste irgendwie mit Excel verwalten wollen. Prima Idee. Eine Excel-Datei auf einem Fileserver und alle wollen gleichzeitig neue Daten reinschreiben. So wird’s gemacht, liebe Leute, das nenne ich Teamwork a la Paperless-Office 2.0beta.

Der größte Brüller war allerdings neulich, als wir einen Vertrag mit einer anderen Medienproduktionsfirma aufsetzen wollten, und der doch allen ernstes als Excel-Datei ankam. Wozu brauchen wir eigentlich noch Word? Wozu PowerPoint? Warum eigentlich nicht Präsentationen in Excel, einfach ein neues Datenblatt für eine neue Folie anlegen.

Und wozu brauchen wir eigentlich überhaupt noch Text? Oft genug schickt mir jemand einen netten Dreizeiler, den er problemlos direkt in die Mail hätte schreiben können, aber das ist natürlich nicht schön genug verpackt. Nein da muss schon ein Excel-File drumherum geschnürt werden, und schon gibt auch so ein dreizeiler echt was her, als höchtsprofessionelle Excel-Datei. Excel-Haikus nenne ich das dann.

Ich finde, wir sollten HTML und XHTML abschaffen und excel-basierte Browser einführen. Natürlich brauchen wir auch so sauteure Software, wie Quark Xpress oder InDesign nicht. Mit Excel kann man wunderbar Layouts machen, das reicht.

Auf, lasset uns die Frohe Botschaft verkünden, lasset uns Nägel mit Bananen — gebogen von fachlich ausgebildeten Bananenbiegern — einschlagen, den Bock zum Gärtner machen, das Pferd von hinten aufzäumen, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben und glauben, dass wir ganz »on the edge of technology« sind. Was ja stimmt, wenn man »edge« hier als Rand eines Abgrunds definiert.

In dieser schönen neuen Welt, wo Web 3.0 schon um die Ecke lugt, muss man die Trends früh genug erkennen, Excel ist der neue Standard. Ein Volk, ein Reich, ein Excel. Fertig. Aus. Und Ruhe jetzt.

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Aug 23, 2007 @ 06:42

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Comments

  • August 23, 2007 @ 07:05
    Das beste an Excel ist, das es schon von Hause aus ein Gestaltungsraster mibringt. Einfach so... krass. Unsereins grübelt da immer über die Proportionen während der geneigte Exel-Web-Designer schon mit dem Layout fertig ist... Hätte man auch schon mal früher drauf kommen können. Denk nur an die ganzen Tabellenlayouts Anfang der 90er (damit hatte ich im übrigen nix zu schaffen ;o)). Wieviel Zeit hätten sich die Menschen gespart.
  • August 23, 2007 @ 16:43
    Genau. Neulich haben wir eine Webseite fuer eine Schulkette komplett neu gestaltet. Zum Glueck hatte der Chef auch schon Ideen: eine Excel-Datei mit 50 verschiedenen sheets, in denen bis aufs kleinste Detail seine "Design" vorstellungen dargelegt waren. Mit Schatteneffekt unter den Menueleisten, verschiedenen Fonts bis hin zu Links zwischen den sheets. Alle Achtung. So muss das Ende der Welt aussehen.
  • August 30, 2007 @ 11:15
    Na ja, ich habe gerade Pages 08 gekauft. Das Programm "Numbers" beinhaltet dutzende von "Gestaltungsrastern". Damit muss man heute wohl leben, genauso wie mit "Emoticons".
  • September 1, 2007 @ 14:04
    Immer wieder schön deine Beiträge zur Lage der Nation zu lesen :-)
  • September 4, 2007 @ 10:17
    Als Grafiker muss ich Dir nur zu 100% zustimmen. Ich möchte gar nicht zählen, wie oft ich absolut unnötige Excel Files bekomme! Das schönste ist, dass es sogar Kunden gibt, die ihr Layouts gern als .xls haben möchten. Fragt mich bitte nicht warum, oder wie ich das bewerkstelligen soll... Liebe Grüße aus Bonn, Oli
  • September 4, 2007 @ 10:33
    Layouts als Excel-Files? Ganz einfach – die Rechnung!
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