Übertragbares Wissen

Das neue iMovie ist raus und es hat eine völlig neue Benutzeroberfläche. Veränderung muss nicht schlecht sein, aber hat sich da Apple nicht möglicherweise ins Knie geschossen? Die radikale Abwendung vom typisch linearen Interface machte es Umsteigern von iMovie auf Final Cut Express bzw. Pro ganz und gar nicht leicht sich im Profi-Lager der Video-Software zurechtzufinden…

So, jetzt hab ich in den sauren Apfel gebissen und mir Final Cut Express HD besorgt (nein, für Final Cut Studio hat das Budget nicht gereicht). Der Grund? Für das Untertiteln und Bearbeiten eines 1-stündigen Interviews ist iMovie HD beim besten Willen nicht gemacht. Da iMovie nach jeder kleinsten Änderung das Video erst rendern muss, bevor man es im Preview anschauen kann.

Alte Bekannte

Final Cut ist mir ja ziemlich vertraut, da ich früher 5 Jahre lang im Videobereich tätig war und exzessiv damit arbeitete. Auch nach einigen Jahren war der Einstieg deswegen leicht, weil die »Express« Version im Prinzip eine Uralt-Version von Final Cut darstellt, die nur mit diversen DV codecs arbeiten kann. Von daher war der »Umstieg« für mich eher so, wie wenn man nach Jahren wieder einmal nach Hause kommt, und es hat sich so gut wie nichts geändert.

Leider haben sich auch einige alte Bekannte Bugs nicht geändert. So zum Beispiel kriege ich wie anno dunnemals hin und wieder Darstellungsprobleme, wenn ich mehrere Video-Spuren mit Alphakanal übereinanderlege oder wenn ich Loops von kurzen Video-Sequenzen abspiele mit haufenweise anderen Video-Spuren obendrauf. Ich muss schon sagen, das hat mir den Spass reichlich verdorben, weil ich dachte diese Bugs seien mittlerweile längst aus der Welt geräumt. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Codebasis für FCP Express einfach so alt ist. Dennoch kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Software von Apple in den letzten Jahren einfach weniger detailverliebt und poliert erscheint als früher. Vielleicht werde ich auch einfach alt und sehe die Vergangenheit nur durch eine Rosa Brille.

Alles in allem jedoch ist Final Cut – sei es nun Express, Pro oder das ganze Studio – einfach der Hammer für den Preis. Ich will mich gar nicht an die unglaublichen Probleme erinnern, die wir früher mit Software von Pinnacle bzw. Avid hatten. Mein Gott. Man fragt sich, wie die ihre Stellung im Markt über die Jahre überhaupt halten konnten.

Einsteigersoftware, aber keine Umsteigersoftware?

Was mich jetzt sehr wundert ist allerdings die Völlige Überarbeitung der GUI und des Workflows vom neuen iMovie 08 (bzw. version 7). Sicher mag es lobenswert sein, wenn man versucht, Video dem Otto-Normalverbraucher näher zu bringen und daher eine völlig andere Art zu editieren einführt, als bisher bekannt. Ich als »alter Hase« jedoch finde den Ansatz nicht sehr intuitiv. Was aber viel schlimmer ist, wenn ich einmal als Anfänger iMovie 08 lerne, dann kann ich das Gelernte nicht auf andere (Profi-)Software übertragen. Sollte ich mich also einmal dazu entscheiden, auf professionelle oder semi-professionelle Software umzusteigen, darf ich alles noch einmal von vorne lernen.

Sicher der Ersteinstieg mag dadurch vielleicht ein bisschen leichter sein, aber selbst wenn ich bei Timeline-Basierter Software anfangs etwas mehr lernen muss, ist das gelernte ja von Wert – es kann in Zukunft auf andere Videobearbeitungssysteme übertragen werden.

So gut wie alle Video-Bearbeitungssoftware ist Timeline-basiert und der grundsätzliche Workflow ist mehr oder weniger derselbe (Compositing-Software ist eine andere Geschichte!). Sei es nun Final Cut Pro, Avid, Media 100, Premiere. So kann man sich auch schnell ein- und umgewöhnen. Komme ich nun aber von iMovie 08, stehe ich da, wie der Ochs vorm Berg. Ich weiß nicht, ob sich da Apple auf lange Sicht nicht selbst schädigt. Wäre es nicht erstrebenswert, den iMovie-Usern einen möglichst leichten Einstieg in die hauseigene Profi-Software zu ermöglichen?

Für einen Paradigmenwechsel muss die Änderung gewaltige Vorteile mit sich bringen, sonst lohnt sich der Lernaufwand nicht. Schließlich investiert man Zeit in ein System das zumindest anfangs völlig isoliert dasteht. So war es mit den ersten »bemausten« Computern – Apple Macintoshs. Besonders für Druck-Designer und Typographen war es durchaus den Aufwand wert, den Umgang mit einem der ersten Macs und dieser seltsamen Maus zu lernen, weil das die Produktivität und den Workflow einfach exponentiell verbesserte. Sicher schlägt das iPhone auch in diese Bresche. Leider kann ich dasselbe nicht von iMovie 08 behaupten.

Ich hoffe ja nur, dass Apple nicht vorhat Final Cut Pro auch völlig umzukrempeln…

posted on:
Oct 10, 2007 @ 05:37

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  • October 10, 2007 @ 08:13
    du hast nicht zufällig noch irgendwo Motion herumliegen?
  • October 10, 2007 @ 09:13
    Wie gesagt, ich habe mir nur Final Cut Express gekauft, weil das Budget für Final Cut Studio einfach nicht drin war. LiveType und Soundtrack sind die einzigen gebundelten Apps die mitgeliefert werden.
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