Ubuntu – Linux für Menschen? (Teil II)
Ich erwarte von keinem Desktop, dass er genauso funktioniert wie OS X, aber bisweilen ähnliche Funktionalität erwarte ich schon, wenn ich also etwas finden kann, das mit wenig Aufwand ähnliches erreichen kann, bin ich eigentlich schon zufrieden.
Einrichten und Anpassen der Arbeitsumgebung
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Gut fand ich unter Ubuntu, dass man auch hier mit einem Klick (oder auch einem Tastaturkürzel) schnell alles außer dem Desktop ausblenden kann. Das habe ich unter Mac OS 7/8/9 schon mit ALT+klick auf den Desktop ähnlich gemacht und ist auch dank Exposé unter OS X flott und bequem möglich.
Ich mag es nicht, wenn mein Desktop zugemüllt ist mit 100 Fenstern, auch halte ich die Desktop-Oberfläche möglichst “sauber”. Sobald sich dort mehr als etwa 6-7 icons tummeln (außer den Harddisks und externer Medien) finde ich es schon unübersichtlich (umso mehr auf einem 9” Bildschirm!).
Tastaturkürzel
Systemweite Tastaturkürzel kann man in Ubuntu schnell und einfach definieren, aber noch besser man kann sogar in den Einstellungen für “Keyboard” (sorry, ich verwende Ubuntu auf Englisch), sogar z.B. die Windows-Taste, als Control-Taste umdefinieren. Da ich Tastaturkürzel mit der Control-Taste nicht mag (zu weit links und man muss mit dem kleinen Finger tippen d.h. wenig ergonomisch), habe ich flugs in den Keyboard-Einstellungen, die Windows-Taste als Control-Taste umdefiniert, und kann so meine Tastaturkürzel mit dem Daumen und einem anderen Finger ausführen. Wesentlich ergonomischer und Mac-Like, da sich jetzt fast alle Kürzel fast wie am Mac “anfühlen”.
Compiz bietet noch viel mehr visuelle Hilfen und Tastaturkürzel die man für jede kleine Funktion selbst definieren kann. Mit dem Konfigurationstool geht das sehr einfach und intuitiv, und ich war erfreut herauszufinden, dass ich meine Desktop-Umgebung im Funktionsumfang zu großen Teil sehr OS X-ähnlich gestalten konnte. Exposé-Emulationen sind möglich (auch die altgewohnten Tastaturkürzel dazu schnell eingestellt).
Visuell ist das Standard Ubuntu Thema zwar ansprechend, aber sehr Orange-Lastig – also für Grafik-Arbeiten weniger geeignet (es würde den Eindruck der anderen Farben verfälschen). Das kann man gottseidank alles komplett ändern (auch die Icons) ist also weniger ein Stein des Anstoßes. Außerdem wer den GIMP mit Effizienz auf so einem Briefmarkenmonitor benutzen kann, der ist sowieso schon jenseits von Gut und Böse, also bleib ich beim Standard Thema und nehme mir vor, keine Grafikdesign-Orgien auf dem Aspire One zu starten ;-)
What’s up Dock?
Ein Dock wollte ich anfangs auch. Zuerst versuchte ich dessen Funktionalität mit dem GNOME-Panel selbst zu emulieren, aber die Trennung dort zwischen Startkürzel und laufenden Applikationen, deren Namen auch noch immer angezeigt werden überfüllt dann das Dock leider hoffnungslos (warum wird hier so penetrant Windows nachgeahmt? Ist Windows etwa seit neustem der “Gipfel” der Usability nach dem sich alles richten muss?). So mußten andere Lösungen gefunden werden. Ich habe 5 Docks getestet, leider waren alle z.T. Potthäßlich (ja, man ist nun einmal Ästhet), trotz tausender sinnloser Funktionen, fehlte grundlegende Funktionalität, so konnte man in der Regel nicht via Drag-And-Drop Applikationen dem Dock zufügen.
Am erträglichsten war darunter Avant Window Naviagtor (AWN) ist OK, aber nicht berauschend. Auch hier wird zwar versucht das OS X aussehen zu imitieren, aber leider auf einer Basis, die zeigt, das die Entwickler das OS X gar nicht benutzt haben. Der Hüpf-Effekt erscheint hier z.B. wenn man mit der Maus über irgend eine Applikation fährt. Das ist völliger Unsinn, und bringt mir gar nichts, im OS X Dock zeigt derselbe Effekt an, dass die jeweilige Applikation sich gerade im Aufstarten befindet. Es reicht einfach nicht, Dinge nachzuäffen ohne Sinn und Zweck. Außerdem ist AWN sehr buggy, das Anfügen von Applikationen via Drag-and-Drop geht zwar, aber nur von den Menüs des GNOME-Starters und z.B. nicht von den Icons der offenen Programme im Taskbar. Außerdem hat AWN bei mir so einen “Halb-Hänger” nach anfügen eines Programmes und man muß das Dock neu starten oder ins Setup-Tool gehen, damit die neuen Applikationen auch angezeigt werden. Auch die Geschwindigkeit mit der das Dock ein- und ausgeblendet wird ist nicht einstellbar (und der Default viel zu lansam!). Am Ende gebe ich das Dock auf. Ich benutze es unter OS X ja auch kaum, nur für Programme, die ich fast permanent verwende, sonst bin ich ja ein Tippser und LaunchBar Aficionado.
Tipp-Starter
Quicksilver ist anscheinend auch in Linux-Kreisen einigermaßen bekannt, und wird hin und wieder erwähnt. Dummerweise gibt es viel bessere Tastatur-Launcher unter OS X (LaunchBar) die es zu imitieren wert wäre (Imitation ist ja nich unbedingt schlecht, aber bitte dann immer nach oben und nicht nach unten orientieren) und QS ist eigentlich eher typisch Geekig und stellt Features vor Usability: vor lauter Plug-Ins und Customisability, haben sie nicht gemerkt, dass man viel zu viele Tastenanschläge braucht, um gewisse Dinge auszuführen.
Leider sind die GNOME-Nachahmungen von Quicksilver noch schlimmer, viel zu viele TAB-sprünge sind nötig, um selbst nur eine Applikation zu starten. Ich freunde mich wohl oder übel mit ALT+F2 an das geht einigermaßen, Firefox kann ich mit “fi TAB RETURN” starten für den Terminal brauche ich leider “Term TAB TAB TAB TAB RETURN”, das ist einfach zu viel. Dann finde ich heraus, daß man in den Systemweiten Tastaturkürzeln ein Kürzel für “Terminal öffnen” definieren kann und wenigstens eine der meist benutzen Applikationen hat Ihre Ruh’ (Shift+Ctrl+T) für den Rest werde ich mich halt mit mehr Getippse anfreunden müssen, und die Bequemlichkeit via LaunchBar in Google zu suchen, eine Adresse per LaunchBar einfach in Google Maps zu kopieren und anzuzeigen usw. muss ich leider missen.
Update: Es gibt einen fast 100%igen Klon von Quicksilver für Gnome, der sich Gnome Do nennt. Na, also, geht doch!
Was KDE GNOME voraus hat
Menüs am oberen Fensterrand sind scheiße (siehe Fitts Law). In KDE kann ich meine Menüs in den oberen Bildschirmrand verbannen (wie auf dem Mac), in GNOME nicht. Man fragt sich nur warum. Es mangelt nämlich nicht an Petitionen in der Ubuntu Community, genau diese Funktionalität zumindest als Option in GNOME zu integrieren.
Zuerst dachte ich mir, als ehemaliger KDE-User (das ist aber schon ewig her, da gab es GNOME noch gar nicht!) einfach Kubuntu-Desktop installieren. Leider endet das mit der Installation von KDE 4.
KDE 4…
WESSEN. BESCHEUERTE. IDEE. WAR. DENN. DAS!?
Ich war geschockt. Ich kannte KDE von früher und fand es ganz passabel, nur etwas zu Window-ig für meinen Geschmack. Gut die Themes waren schon immer potthäslich, aber man kann sie ja ändern.
Aber KDE 4. Was hat die nur geritten?
Die radikalen Änderungen in KDE werden auch recht kontrovers behandelt unter KDE-Usern. Mein Eindruck: Das ist ja fast so peinlich wie Windows Vista. Style over Substance. Völlig unbrauchbar. Was soll der ganze Schwachsinn, dass jetzt im Prinzip der Ganze Desktop nur noch aus Gadgets/Widgets oder wie die Dinger heißen besteht? Was soll das grausame Geblinke und gewabble überall? Allein beim Mouse-Over über einen Ordner auf dem Desktop erscheinen um den Ordner ein dicker Rand und -zig Kontrollelemente, für das Widget (ja der Ordner selbst schein ein Widget zu sein). Die endlosen Rollovers für fast jedes Kontrollelement im Desktop. Selbst eine Trennlinie innerhalb eines Fensters leuchtet leicht auf beim Mouse-Rollover. Shinjuku bei nacht ist ein Kurort dagegen. Nach 1 Stunde konfigurieren und immer noch kein Ende in Sicht habe ich die Nase gestrichen voll, mit apt-get wird der KDE-Desktop komplett getilgt und aus der Traum.
Fitt’s GNOME
Nach großer Enttäuschung scheint Licht ins Dunkel: Es gibt ein Projekt das die Menüs von GTK Applikationen einfach in ein Panel zaubert – voilà Mac-Menüs. Und das funzt ganz gut (außer Firefox und XUL Applikationen, knurr). Weil mich das nervt, erwäge ich für den Alltagsgebrauch auf Epiphany umzusteigen. Epiphany, der Browser des GNOME Projekts. Warum ist der eigentlich nicht einmal vorinstalliert? Kein Selbstvertrauen? Alles in allem Epiphany ist sehr nett (vor allem mit den Add-ons) und ich habe Menüs am oberen Bildschirmrand.
Das verlorene Paradies
Wie ich im Präludium zu diesem Eintrag schon erwähnte, konnte ich es mir nicht verkneifen, Ubuntu Intrepid Ibex (8.10 beta) zu installieren. Nach Installation und einer Runde Updates funktioniert das WiFi des Aspire One ganz ohne mein Zutun!. So muß das sein, jawollja! Leider ist jetzt das Globale Menü flöten, weil gtk oder glib oder weiß der Kuckuck welche Library upgedated wurde. Na ja, damit werde ich ein paar Monate leben können, das wird wohl auch bald upgedated werden.
ウブントゥ (Japanisch schreiben mit Ubuntu)
Große Zitterpartie. Früher war es schon schlimm genug, überhaupt eine japanische Input-Method unter Linux zum laufen zu bringen, wenn man aber die abstruse Idee hatte, man wolle auf einem Englischen Betriebssystem zwischen US-Tastaturbelegeung, deutscher Tastaturbelegeung und japanischer Input Method umschalten können, dann war meistens Zappenduster (nur Mac OS schon unter System 7 konnte das ohne Probleme schon seit den frühen 90ern). Witzigerweise hatte ich das Eingabesystem für japanisch innerhalb von Minuten aktiviert, nur wie ich zur Deutschen Tastaturbelegung komme, finde ich erst einen Tag später heraus. Beides funktioniert an sich gut, nur dumm, dass ich nicht mit einem Kürzel zwischen den drei umschalten kann (J-D-E) und die Anzeige im Panel auch nicht an einem Ort stattfindet. Tastaturbelegung und Input-Method sind in Ubuntu zwei paar Schuhe (Technisch korrekt, aber vom Standpunkt des Benutzers gesehen Blödsinn) und werden leider getrennt angezeigt. Nicht schlimm, kann man aber besser machen, und füllt die Menüleiste unnötig auf (ein 9” Bildschirm ist halt eng).
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VL PGothic ist eine ganz passable japanische Schrift, es will mir allerdings nicht einleuchten, warum in GNOME nur die Kanji eines japanischen Textes (nicht die Kana) mit einer anderen häßlichen und pixelierten Treppchenschrift ersetzt werden, da die VL PGothic auch Kanji hat… Sieht ja fast aus wie Windows, igitt. GNOME scheint auch keinen Font-Organisierer zu haben (siehe nächsten Abschnitt “Doh!”) mit dem man Systemschriften installieren und/oder löschen könnte. Ich habe leider keine Ahnung, wo X bzw. GNOME/Ubuntu die Systemschriften speichert, aber habe herausgefunden, dass man seine eigenen Schriften einfach in einen .fonts/ Ordner in seinem HOME Verzeichnis ablegen kann, die werden dann erkannt, auch gut.
Nach längerer Suche finde ich /usr/share/fonts/truetype/ und nach einigen Versuchen habe ich auch die Schuldigen für die häßlichen Kanji ausfindig gemacht, nämlich die Fonts in den Ordnern “arphic” und “kochi”, außerdem sieht die Schrift tt-japanese-gothic verdächtig aus. Einfach mit der Konsole und sudo mv /usr/share/fonts/truetype/arphic ~/Desktop/Gelber_Sack/ und so weiter in meinen Vor-Papierkorb verbannt (Ich richte mir immer einen “gelben Sack” auf dem Desktop ein für Dateien, die ich wohl nicht mehr brauchen werde, aber erstmal eine Weile noch auf dem System lassen will). VL PGothic ist wie gesagt ganz brauchbar, wirkt aber etwas verschwommen auch wirkt sie etwas halbfett, also habe ich mir noch schnell die Hiragino Fonts und Kozuka von meinem Mac rüberkopiert (alles OTF). So jetzt kann sich mein Japanisch-Umfeld sehen lassen!
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Doh!
Intrepid (Ubuntu 8.10) Schock (das kann sich zwar noch ändern, weil ich eine Beta teste, aber…): Der Trick mit der URL font:// geht nicht mehr und es gibt überhaupt kein Vorschauprogramm mehr unter Intrepid (8.10), weil das alte Programm, das noch in Hardy (8.04) war anscheinend Probleme mit dem Hinting hatte. Na das ist jetzt die Bessere Lösung, oder was? Man kann doch etwas grundlegendes wie ein Font-Vorschauprogramm nicht einfach rausschmeißen ohne Ersatz! Selbst ist der Mann und nach einigem Suchen finde ich Fontmatrix, das als Font-Manager angepriesen wird und auch toll aussieht, aber Systemschriften nicht deaktivieren kann. Hm. Sinnvoll. Satz mit “x”: War wohl nix.
Ich konnte es mir übrigens nicht verkneifen, auch ein paar OS X Systemfonts von .dfont auf TrueType zu konvertieren. Meine Systemschrift unter Ubuntu ist jetzt Lucida Grande, und das Antialising habe ich auf slight Hinting und Greyscale eingestellt, was dem OS X Fontrendering doch recht ähnlich kommt. Jetzt müßte man nur noch irgendwie die dummen Unterlinien unter den Tastaturkürzeln ausschalten können (in GIMP gehts lustigerweise…), dann sähe das sogar ganz passabel aus und nicht so “Windowsig”.
Desktop Usability
Große Doppelkopfnuss für die Entwickler von Nautilus: Weder Nautilus selbst noch die Öffnen/Sichern Dialoge erlauben es mir immer (manchmal gehts komischerweise), in einer Dateiliste durch Drücken eines Buchstabens auf der Tastatur zur ersten Datei zu springen, die mit dem gedrückten Buchstaben beginnt. Also muss man (fast) immer scrollen. Das kann doch nicht sein, dass so ein grober Schnitzer einfach unter dem Usability Radar der Ubuntu-Leute hindurch ging. Ganz schlecht.
Noch eine Kopfnuss: In den Öffnen-Dialogen kann man die Ansicht nicht auf Icons umschalten, und leider bietet das Preview von Dateien die man öffnen möchte nur Previews für gängige Bildformate (PNG, JPEG), aber keinerlei Previews für GIMP files. Verstehe ich nicht, ist doch ein offenes Format, das müßte doch wohl machbar sein, zudem die Icon-View in Nautilus ja ein Preview anzeigt! Auch Open Office Dokumente kommen leider ohne Preview daher. Soll ich jetzt die Dateien erst in Nautilus’ Icon-View angucken, alle Dateinamen merken, dann im Öffnen-Dialog dumm herumscrollen, weil ich ja per Tastatur nicht bestimmte Buchstaben anwählen kann und hoffen, ich kriege die richtige Datei? Näh. Schwach. Wenns bei so grundlegenden Teilen der GUI, die man nun wohl oder übel JEDEN Tag verwenden muss schon so hapert, dann mag es mir fast schon verleiden. Hier ist noch dringend Verbesserungsbedarf.
Nachtrag: das haben die wohl in Intrepid (8.10) klammheimlich in Ordnung gebracht
Im nächsten Teil werde ich mich auslassen, wie man Daten Konvertiert, welche Applikationen ich mag, welche fehlen, und wie ich überhaupt meinen Datenwust auf den Aspire One kopiere und in eine Form bekomme, mit der ich etwas anfangen kann.
posted on:
Oct 18, 2008 @ 15:04
filed under:
technology, deutsch







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