User Experience Extase

Ich bin schon lange unzufrieden mit meinem corega router (ja, der heißt so, vielleicht ist das Gerät deshalb senil…), so habe ich mich flugs zum Impulskauf eines Airport Express verleiten lassen. Und hier hat mir Apple ganz unerwartet gezeigt, wie selbst etwas profanes wie ein Router zum Erlebnis werden kann.

Ich gehöre nicht zu den Leuten, die den Kauf und das Einrichten eines WiFi-Routers zu den interessanten Aufgaben des Lebens zählen. Oft genug hat man Probleme mit den Passwort-Einstellungen, dem Routing selbst und das auch noch ohne Ende.

Mein Alter Router von corega war ein gutes Beispiel dafür, wie man es nicht macht. Firmware gabs auf Englisch und Japanisch. Leider war die »neueste« Version der Englischen Firmware auf einem viel älteren Stand als die Japanische. Upgedated wurde da schon lange nicht mehr und anscheinend hatte die Firma kein Interesse daran, die zahlreichen Problemchen mit dem älteren Modell noch in Ordnung zu bringen. Man kann ja die neuere Version kaufen – kostet ja nicht die Welt.

Es ist einfach geschehen

Ich hatte mir zwar mit dem Gedanken gespielt, mir bald einen neuen WiFi-Router zu kaufen, aber es gab da keinerlei konkrete Pläne. Bis ich in den Apple Store Shibuya ging, um mir schnell ein neues Paar Kopfhörer für meinen iPod touch und ein neues USB-Kabel für denselben zu kaufen. Eine volle AirPort Extreme Station brauchte ich eigentlich nicht, weil ich ja schon einen »richtigen« Router von SoftBank (mein ISP) hatte, ich brauchte vor allem nur die Möglichkeit, den Anschluss auf WiFi zu erweitern.

Dann fiel mir ein, dass so ein AirPort Express doch eine günstige Lösung wäre. Man muss einmal bedenken, was man da bekommt fürs Geld. Das ist ja nicht nur ein WiFi-Router, ich kann meine Stereo-Anlage an den Audio-Ausgang anschließen um dann von jedem Rechner, der auf das drahtlose Netz zugreift via iTunes einfach den Ton statt über die eingebauten Lautsprecher über die Stereo-Anlage abspielen. Außerdem kann ich einen USB-Drucker daran anschließen und ihn automatisch zum Netzwerkdrucker machen, ohne Setup.

Das Setup, das keines war

Zu Hause angekommen (sehr spät nachts übrigens) wollte ich einerseits gleich das Gerät ausprobieren, aber andererseits auch bald ins Bett – die Wireless-Orgien der vorigen Router, die mich manchmal stundenlang beschäftigten, waren mir noch gut in Erinnerung. Nun, der Geek in mir siegte, und ich wagte den Versuch. Alten WiFi-Router ausgesteckt, AirPort Express angeschlossen, mal gucken was geschieht.

Als ich auf meinem Mac das AirPort Utility startete, wurde das Gerät sofort erkannt. Dann wurde ich gefragt, ob ich es manuell oder automatisch einrichten möchte, was ich im Hinblick auf die Späte Stunde mit »automatisch« beantwortete. Das tue ich sonst eigentlich nie. Denn solche Auto-Setups sind meistens sehr eingeschränkt und für n00bs gedacht, und außerdem machen mich die völlig unterbelichteten Fragen von solchen »Setup Wizards« wahnsinnig (bin halt kein Windows-Mensch der mit Wizards aufgewachsen ist, und Zauberern kann man laut Terry Pratchett sowieso nicht trauen).

So ließ mich die nächste Frage auch stutzen, als das Setup wissen wollte, ob ich das Gerät als »neuen« Router einrichten möchte, oder als Ersatz eines vorherigen Geräts. »Wozu soll das gut sein?«, wunderte ich mich, aber egal, es war ein Ersatz. Nun kam der Clou: Danach wurde eine Liste von bisher verwendeten WiFi Anschlüssen/Passwörtern angezeigt, und ich konnte auswählen, welcher Anschluss ersetzt werden soll. Und das wars. Wirklich. Ich musste noch nicht einmal meinen oder einen der anderen Rechner am drahtlosen Netz neu einrichten bzw. neue Passwörter eingeben. Für die Rechner war dieser »neue« Router der alte mit demselben Setup fürs Login. genial, sozusagen.

Alles Lüge

Nun ja, das Setup war damit noch nicht ganz fertig, denn kurz danach sagte mir das Utility, dass es beim alten Setup ein Problem gäbe, denn wegen der beiden Router habe man ein doppeltes NAT Setup und es würde dringend empfohlen AirPort Express im »bridge mode« einzurichten. Gesagt, getan, und jetzt funktionieren auch endich iChat video chats (nicht nur Text und Audio wie bisher) und Back To My Mac↓ auch, weil das routing wieder richtig klappt.

Das, liebe Leute ist eine super User Experience. Nicht nur wurde ich mit einer minimalen Anzahl von Fragen zum Ziel geleitet, das Setup-Tool hat sozusagen proaktiv gehandelt und mir nicht nur viel Arbeit erspart (Passwörter anderer Rechner im Netz neueingeben etc.), sondern auch ein altes Problem meines Setups sofort erkannt und in Ordnung gebracht.

Ich weiß, ich klinge jetzt für einige wieder wie ein Apple-Fanboi (sic!), aber was kann ich denn dafür, wenn die einfach geschnallt haben, wie Usability und User-Experience wirklich zu sein hat?

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Feb 13, 2010 @ 12:58

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Euer Senf

  • February 13, 2010 @ 22:09

    Für DAU-Kundschaft ohne Zweifel sehr angenehm. Wer etwas mehr konfigurieren möchte oder Sicherheit benötigt, wird sich ein anderes Produkt auswählen. Und wer nicht mit Mac OS X oder Microsoft Windows unterwegs ist, ebenso.

    Ich habe eine Airport Express für das Streamen von Musik in Verwendung. Funktioniert gut. Nur die Übertragung dürfte besser sein. In dem kleinen Gehäuse direkt an der Wand bei der Steckdose positioniert haben leider keine brauchbaren Antennen Platz. OK, bei den in Japan typischen Häusern dürfte das weniger ein Problem sein! :)

  • February 13, 2010 @ 22:19

    Da hast Du recht, ohne Airport Setup Utility sieht man da alt aus, aber andererseits wenns mal eingerichtet ist, wird ja auch nicht mehr viel verstellt.

    Der Witz ist der, dass mein Corega Router mit Antenne eine wesentlich schlechtere Reichweite als der Airport Express hat. Im zweiten Stock habe ich vorher immer wieder die Verbindung verloren, wogegen ich jetzt immer 4 Balken – also besten Empfang habe.

  • February 28, 2010 @ 01:38

    Ahh! Finally good enough reason to learn and speak German.

  • May 10, 2010 @ 17:18

    Ich bin von Hause aus Mediengestalter in Ausbildung, aber ich ertappe mich immer mehr wie ich in Richtung UX management abdrifte. Besitzen tue ich zwar nur einen Mac Mini der noch dazu seit über einem Jahr nicht mehr eingeschaltet wurde, aber wenn immer ich über Emotionen im Design oder über das weshalb dahinter (Golden Circle, Chief Meaning Officer, Authenticity etc. etc. pp.)spreche ist Apple einfach das ideale Beispiel. Sie polarisieren, sie haben Werte und Ziele und berühren Menschen.

    Ein wichtiger Faktor den ich letzthin auf TED.com zur Sprache gebracht habe ist Vertrauen. Wenn mich ein Apple Produkt wirklich anspricht, kann ich mich bei Apple darauf verlassen, dass es die Anderen ebenso tun. Welcher andere Elektronikhersteller kann das von sich behaupten?!

  • May 10, 2010 @ 20:28

    Lustigerweise habe ich gerade heute wieder entdecken müssen, dass Apple im Bereich Mac OS X Server das krasse Gegenteil ist. Die Hälfte der Funktionalität hat schwere Macken, und Dokumentation gibts eh nicht, ist ja schließlich für Geeks, die finden das schon selber raus (sich die Haare rauf…)

    Aber im Desktop-Bereich hast Du schon recht.

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