Warum freie Software wichtig ist

Als Richard Stallman 1985 sein GNU Manifesto und später die wohl noch bedeutendere GNU General Public License (eine, wenn nicht die Lizenz für quelloffene und freie Software) formulierte, hätte man es wohl noch als etwas utopisch angehauchten Aktivismus abtun können.

Die Situation im Jahre 2009 ist eine völlig andere, und die GPL und die damit verbundenen Rechte und Freiheiten, die sie den Benutzern garantieren, bekommen eine ganz andere Bedeutung im Lichte einer Gesellschaft von der Computer, Handies (ich werde mich nicht überwinden einen Englischen Plural auf “-ys” zu bilden, darum sic!) und vor allem das Internet gar nicht mehr wegzudenken sind.

Wir sind so abhängig von digitalen Datenträgern und diversen Datenformaten geworden, dass es einfach nicht angehen kann, uns diese Daten oder Zugang zu den Formaten vorzuenthalten.

Schließlich ist es unser Geld

Ich meine damit, dass eine Regierung, die allein durch das Geld der Bürger ihre Geschäfte betreibt, bestimmt kein Recht hat, von diesen Bürgern zu verlangen, sie sollen doch von Firma XY das Programm Z kaufen, damit ein Datenaustausch mit der von den Bürgern getragenen Regierung möglich werde.

Das wäre in etwas so, als würde sie uns vorschreiben mit welchem Auto wir bitte zum örtlichen Amt fahren sollen, andere Automarken, Motorräder, Fahrradräder und Fußgänger seien leider nicht zugelassen. Schlimmer noch, bei der Automarke handelt es sich noch dazu um einen Hersteller, der mehrfach verurteilt wurde wegen wetteberbswidrigen Verhaltens.

Grundbedarf neu definiert?

Nicht mehr lange und so wird wohl auch ein Computer vielleicht sogar mit Internetanschluss, fast ein Muss für jeden Bürger werden, ebenso wie man sich das Leben ohne Telefon/Handy wohl kaum mehr vorstellen kann.

Dann bleibt die Frage, was ist ein Computer wert, ohne Betriebssystem oder Software? Und daraus folgend: sollten wir dann nicht auch ein Recht auf grundlegende Software haben, die uns frei zur Verfügung stehen sollte? Sollten wir dann nicht auch das Recht haben diese Software mit unseren Nachbarn und Freunden zu teilen, zu kopieren, ja unter die “Motorhaube” zu schauen und zu verbessern, wenn es uns danach ist?

Es geht nicht um Geiz

Um Copyright und Urheberrecht geht es mir hier gar nicht. Ich bin auch nicht einer von denen, die einfach alles gratis haben wollen. Ich habe selbst einiges an Geld ausgegeben für Shareware, die ich nützlich fand und die ich viel nutze unter Mac OS X. Ich spreche mich generell nicht gegen proprietäre Software aus, auch diese hat ihren Platz.

Ich war vor allem deswegen bereit kleineren Firmen und Entwicklern Geld zu zahlen, weil ich als Nicht-Programmierer niemals Software selbst verbessern könnte, es aber einige Entwickler und Firmen gibt, die noch einen direkten Draht zu ihren Kunden wünschen und sehr schnell auch Ideen und Bugfixes umsetzen, die man in ihren Userforen aufbringt.

Aber man kommt immer in die Situation, wenn man jemanden ein Programm empfiehlt sagen zu müssen “kaufen musst Du es halt schon”. Nicht immer hat derjenige wirklich Geld dafür. Das muss nicht schlimm sein, es wäre aber einfach schön, wenn man alternativen hat, wo man frank und frei Software tauschen, hacken und ausprobieren kann. Ich erinnere mich noch an die “Fish Disks” für den Amiga (das war Public Domain, aber das Prinzip war ähnlich).

Wie Wissenschaft Wissen schafft

In der Wissenschaft wird weder mit Ideen gegeizt, noch versucht man seine “Geheiminisse” zu hüten, damit auch ja niemand davon erfährt. Publish or perish heißt es in den USA, es geht um den regen Ideen- und Gedankenaustausch, denn nur das gegenseitige Teilen und Teilhaben an Erkenntnissen bringt uns weiter.

Und genau diesen Geist finde ich wieder in der Bewegung für Freie Software und Open Source. Es klingt für manche etwas schmalzig, aber schlussendlich möchten wir die gesamte Menschheit voranbringen. Und was die Menschheit bisher am meisten vorangebracht hat waren zwei Dinge: Das zu teilen was man hat, und zusammenarbeiten um darauf aufzubauen, was man schon weiß und kann.

Open Source Software, freie, libre Software, FLOSS – nennt es wie Ihr wollt – macht dies nicht nur möglich, sie fördert es sogar. Ich mag vielleicht aufs Alter etwas rührselig geworden sein, aber es berüht micht schon, wenn ich sehe, wie es Leuten auch in ärmeren Regionen durch Open Source Software ermöglich wird Dinge zu tun, die einfach bisher alleine aus Kostengründen undenkbar waren.

Aber auch in unseren Gefilden, können die Jugendlichen schon gleich mit einem Enterprise-fähigen, UN*X ähnlichen Betriebssystem herumwerkeln, es benutzen, es auseinandernehmen, einfach was machen, wenn sie nur wollen, was noch vor nicht allzulanger Zeit nur den Hardcore-Codern in den Großfirmen mit den fetten Servern vergönnt war.

Und darum freue ich mich, immer wieder zu sehen, wie Leute sehr kreative Ideen umsetzen können, unter anderem dank freier Software. Wenn sie einen Roboter bauen möchten, dann müssen sie eben nicht extra eine Lizenz für ein Betriebssystem für dafür kaufen, oder sonstwie sich ein Bein ausreißen, sondern können sich voll darauf konzentrieren, ihre Ideen umzusetzen.

Wenn jetzt die Innovationsbremse “Softwarepatente” nicht wäre, dann könnte man ja fast nach Herzenslust draufloscoden…

Ich sage jedenfalls: Ein Hoch auf freie Software, sei es BSD, sei es GNU/Linux, sei es Plan 9 oder weiß der Kuckuck, was in fünf Jahren das Betriebssystem du jour sein wird. Und denkt mal drüber nach, dass folgende Firmen ohne freie Software gar nicht oder nur schwer möglich gewesen wären: Hotmail, Akamai, Google, Yahoo, Pixar und fast alle großen Hollywood 3D Studios (Renderfarmen), twitter, das Internet (BIND, TCP/IP, UN*X etc., sendmail, Apache), Youtube, Amazon, Apple (OS X basiert auf Mach, BSD und dessen userland utilities) und viele mehr.

posted on:
Jul 17, 2009 @ 17:33

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Comments

  • July 17, 2009 @ 19:53

    Leider enthält Dein RSS-Feed keinen Volltext Deiner Blogeinträge. Könntest Du wenigstens darauf hinweisen?

    Es ist teilweise verwirrend, dass Deine Blogeinträge per RSS aus nur einem Absatz zu bestehen scheinen.

    RSS per Volltext bevorzuge ich übrigens wegen der mobilen Nutzung: Ich kann den Text auf dem Smartphone direkt lesen und muss nicht in den Browser wechseln, wo ich dann eine alles andere als schlanke Version des Textes erhalte, was wiederum Zeit und allenfalls auch (mehr) Geld kostet.

  • July 17, 2009 @ 21:35

    Oh, das war ein Konfigurationsfehler meinerseits, müßte jetzt wieder in Ordnung sein.

    Ich benutze halt die Feeds selber nie ;o)

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