Wikipedia, Relevanz und Inkompetenz
Letztes Jahr hatte ich einmal mehr aus Witz in der Wikipedia einen Eintrag für meine Wenigkeit und für Kilians Podkost geschrieben. Kurz darauf kam die Löschkloppertruppe mit dem Argument, es handele sich dabei um »reine Selbstdarstellung jenseits jeder Relevanzgrenze«.
Mein Eindruck war, dass diese Meinung von einer Person kam, die das Medium Podcast überhaupt nicht kannte. Egal, dachte ich mir, war ja auch mehr ein Witz.
Kurz darauf brach eine kleine Diskussion in der Wikipedia darüber los, was denn die Relevanzschwelle für Podcasts sei und wie man mit so brandneuen Medien überhaupt umzugehen habe usw. Langer Rede kurzer Sinn: Beide Einträge, sowohl der über meine Person als auch der über Kilians Podkost, wurden gelöscht.
Fein, das kann mir ja egal sein, ob ich jetzt in der Wikipedia bin oder nicht, meine Subscriber sind reale Leute, die meinen Podcast hören wollen, und ich bin ihnen auch wirklich dankbar für ihre Treue. Das Thema wäre eigentlich vom Tisch gewesen, wenn ich nicht neulich wieder mal in der Wikipedia herumgestöbert hätte…
Ein Jahr später
Wir schreiben das Jahr 2007, eine Suche nach podcast-relevanten Artikeln zeigt – zu meinem völligen Verblüffen – unter anderem Einträge für Annik Rubens (gut, die ist wirklich bekannt), Deutscher Podcast Award – für den ich 2006 nominiert wurde und nur knapp verlor, Podcasting im allgemeinen, überraschenderweise werde ich und mein Podcast dort auch noch erwähnt (also doch relevant, oder was?), aber einen eigenen Eintrag gönnt man mir nicht. Es gibt auch eigene Einträge für Radio Tux, Starfrosch und Literatur-Café (welches übrigens den Podcast Award 2006 verdienterweise anstatt meiner bekam).
Um es etwaigen Kritikern vorweg zu nehmen, nein das ist kein Futterneid. Ich gönne der Annik ihren Erfolg, allein die Tatsache, dass sie ihren Podcast so kontinuierlich durchgezogen hat, halte ich für beachtenswert. Ich gönne dem Literaturcafé ihren Award, die stecken wirklich viel Arbeit rein und machen was mit Hand und Fuß. Nun frage ich mich, mit welchen Maßstäben da gemessen wird, und mit welchen Pi-mal-Daumen-Prinzipien Leute, die eben keine Kompetenz zu neuen Medien haben, wirklich darüber Urteilen was in die ’Pedia kommt und nicht. Geht es da nach dem Motto: »Kenn’ ich als Moderator es nicht, kann es nicht Relevant sein«?.
Wie definiert man Relevanz?
Bei Musikern bzw. CDs, erwähnte ein Wikipedia-Moderator, sei die Relevanzschwelle bei ca. 5000 Verkäufen oder so. Nur mal zur Info: die KiPo Episode 45 wurde 7462 mal heruntergeladen, davon 6054 mal über den RSS-Feed, also Subscriber (510 mal wurde sie im Flash-Player abgespielt, und 898 mal wurde die Datei übers Web, also wohl direkter Download über den Link, heruntergeladen).
Kilians Podkost war Relevant genug, dass trnd Blog mich interviewt hat, es war auch relevant genug für den SWR, dass sie meinen Podcast in der Computerecke der Serie »Kaffee oder Tee?« am 13.10.2006 behandelten. Auch der MacWelt Special »iPOD SPECIAL« war die Podkost eine Viertelseite wert. Ist das nicht genug Relevanz für ein paar Elektronen auf der Festplatte des Wikipedia Servers? Ehrlich gesagt, mir ist es mittlerweile wurst. Ich hatte mich in dem Moment einfach geärgert warum für mich nicht gelten soll, was für andere anscheinend gilt.
Wikipedia ist leider in meiner Bewertungsskala abgerutscht in die Rubrik »auch nur ein Verein von Pappnasen«, und damit hat sich das Thema. Schade eigentlich.







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